das ich mich mal wieder aus der Türkei melde!
Hallo liebe Leser!
Ich weis, ich weis, es ist auch lange her das ich mich überhaupt mal auf dem Blog melde. Irgendwie war mir die Motivation fürs Klettern etwas abhanden gekommen und da der Blog ja laut Titel über meine Klettererlebnisse handelt, wusste ich nicht so recht was ich schreiben sollte.
Viel ist jedoch seit dem Sommer passiert. Mein Trip ging harmonisch zu Ende, ich fuhr über Dresden zurück nach Innsbruck, suchte mir einen Job als Radkurier und zog mit Dicha zusammen. Drei Mal die Woche durfte ich je 5 Stunden Post herumfahren für einen Hungerlohn und hatte trotzdem Spass dabei. Dicha baute derweilen neue Möbel für unser Zimmer, machte Skitouren und lebte sich langsam im Ösiland ein. Der Herbst brachte uns vorzügliches Wetter und so verbrachten wir viel Zeit im wiedereröffneten Dschungelbuch. Mir gefällt die Kletterei dort sehr und ich lerne jedesmal was dazu wenn ich den einminütigen Zustieg hinter mich gebracht habe. Im Dezember entschlossen wir (Dicha und Ich) uns dann im Januar für 5 Wochen ins Josito Camp in der Türkei zu fahren und ich kündigte somit meinen Schönwetterjob. Mit neuer Motivation machte ich mich wieder ans Klettertraining und hatte einen Monat gescheite Vorbereitung für den Trip. Zusätzlich dazu fing ich im November mit dem Boxen an, wo ich 4 Mal die Woche in einem sympatischen Club trainierte und Sandsäcke bearbeitete. Die Herrausforderung eine komplett neue Sportart anzufangen hat es mir angetan, ich bin sehr motiviert und will nach meiner Rückkehr auf einen Amateurkampf hintrainieren.
Soviel zu den Ereignissen am Ende von 2011. Am 1.1. flogen wir um 5.50Uhr von München nach Antalya und kämpften uns dann durch das örtliche Bussystem bis nach Geyikbayiri durch. Der erste Schock kam sofort: Es war brechend voll! So viele Zelte, dass wir nach einem freien Platz regelrecht suchen mussten! Dementsprechend war es auch an den Felsen sehr voll und wir mussten lange auf freie Routen warten. Die ersten 2 Tage waren wir direkt an den Campfelsen, wo wir uns etwas einkletterten. Ich konnte die Route "Junimond"(7c+) im 3. Versuch machen, nachdem ich im 2. einen Tritt beim letzten Zug vor der Umlenker übersehen hatte und einen Abflug machte.
Anstehen am "Junimond"
Die nächsten Tage waren wir viel in verschiedenen Sektoren, kletterten onsight und versuchten freie Routen zu finden. Ein weiterer Höhepunkt war der letzte Mittwoch, als wir nach Antalya in ein türkisches Bad ("Hamam") fuhren und uns so richtig durchmassieren liesen. Dicha schöpfte neue Kraft und konnte am nächsten Tag meine Route "Kolay Geysin"(6b) flashen, die ich beim letzten Mal einbohrte. Da hat sie sich aber ein Bier verdient, denn leicht ist die Tour nicht! Ich konnte ein weitere 7c namens "Selameleikum" im 2. Versuch machen und etwas Selbstvertrauen aufbauen, weil ich vor 3 Jahren in der Route keinen Stich gesehen habe und schon arge Probleme damit hatte, von Haken zu Haken zu kommen.
Wir sind ja sooo glücklich :P
So begab ich mich nach knapp 1.5 Wochen in mein Urlaubsprojekt "Colonist" (8a+) und konnte auch fast alle Züge nach den ersten 2 Versuchen machen. Noch etwas Feintuning für die obere Sektion am nächsten Tag und dann war der Plan nach einem Ruhetag ernsthafte Rotpunktversuche zu starten.
Sarkit Sektor, die rote Markierung zeigt "Colonist"
Die Bedingungen waren gut, ich frühstückte 5 Rosinen und fiel in der ersten Crux raus(gleich wenns schwer wird). Scheisse... Naja dann mal probieren ob ich vieleicht von der Sturzstelle weiter hoch komme, immerhin ist Colonist das Ausdauertestpiece in dem Grad, also schadet etwas Training sicher nicht. Ha wer sagts, ich schaffte es von der Sturzstelle bis hoch zu klettern! Also zählte ich Eins und Eins zusammen und dachte mir, wenn ich ich die schwere Anfangsstelle packe dann komm ich bestimmt bis hoch. Also wurde ordentlich pausiert und dann mit vollem Elan wieder probiert. Ich kletterte die 35 steilen Meter ohne einen Fehler und fand mich relativ frisch am Umlenker wieder. Klipp, ein kurzen Juhu und dann erstmal realisieren das ich diese Traumtour tatsächlich so fix gepunktet habe. Dicha nutzte die Gunst der Stunde ebenfalls und tickte mal ganz easy "Imagination" (6b+) und hatte einen Fastdurchstieg von der ersten Länge vom "Colonist" (6c+). Wieder gab es Bier am Abend :)
Am nächsten Tag ging es bei Kurzehosen-Wetter nach Mevlana wo Dicha eine 6b fast gemacht hätte, wäre der Umlenker 20 cm tiefer gewesen. Ich machte eine 6c und eine 7b on sight, hang die Exen in die Neutour "Trio de Ligoville"(8a) rein und hatte 2 gute Boulderversuche. Als die Sonne weg war, wagte ich dann einen Rotpunktversuch und stieg sie ebenfalls recht solide durch. Schon wieder Bier? Neeee diesmal gabs Tee. Heute früh kam dann auch die Erklärung für meine Erfolge: Ich bin offiziell ein Gerippe (laut der örtlichen Waage). Erstmal Pancake futtern und nix tun am heutigen Ruhetag. Morgen gehts weiter und es gibt hoffentlich bald neue Highlights zu berichten.
Euer Marten