Mit sehr schlechtem Wetter im Ausblick
beschlossen wir Ende April aus Spanien zu flüchten und uns über die
Berge nach Frankreich abzusetzen. Wir nutzen die regnerische Woche um
langsam aber sicher von Oliana bis in die Tarnschlucht zu fahren.
Unterwegs besuchten wir noch Verwandschaft von Dicha und hatten ein
paar schöne Tage dort. In der “Gorge du Tarn” waren wir von
gutem Wetter gesegnet oder auch verflucht, wie man es nehmen mag. Zum
schwer Klettern war es in jedem Fall zu heiß! Wir machten aber das
beste draus und kletterten ein paar moderate Touren. Leider war uns
die örtliche Polizei auf den Fersen und verscheuchte uns von unserem
schönen Schlafplatz. Wir mussten erst aus der Schlucht rausfahren
und dort schlafen, um vor einer Strafe sicher zu sein. Das brachte
dann einen deutlich verlängerten Zustieg von einer Minute auf eine
Stunde mit sich, den wir nur einen Tag in Kauf nahmen, bevor wir uns
aus der Tarn verabschiedeten. Also Fazit für alle Tarnkletterer:
kalkuliert einen Campingplatz in euer Budget mit ein oder bringt
starke Beine mit!
| Die Tarnschlucht von unserem Schlafplatz aus |
250 Kilometer weiter westlich fuhren
wir am Fuße des Mt Ventoux durch eine einsame und malerische Gegend.
Wir befanden uns auf dem Wege nach St. Leger oder auch “La
Baleine”.
Schon vieles hatte ich über diese
Gebiet gehört, das es wie ein kleineres Rodellar sei und voll mit
schweren Routen. Es erfreute uns sehr, als wir einen sehr schönen
und tolerierten Schlafplatz nicht weit weg vom Gebiet fanden, an dem
wir uns hinstellen konnten. Schonmal deutlich entspannter als die
Tarn! Mit dem Rad ging es dann für 5 Minuten eine kleine Straße
entlang und dann zu Fuß weitere 10 Minuten bis wir zur großen
Südwand kamen. Hier war es natürlich viel zu warm zu dieser
Jahreszeit und die Sinter waren ohnehin größtenteils nass. Wir
verdrückten uns in die schattige Ostwand, die relativ trocken war
und probierten einige Routen. Die Linien sind beeindruckend, lang und
überhängend. Die Haken werden nach oben hin eher spärlich
eingesetzt und man hat schonmal sehr schwere Stellen weit über den
Sicherungen. Ich probierte zwei 8b's direkt nebeneinander und musste
bei beiden sehr schnell einsehen, das zumindest mit der Wärme
absolut nichts zu holen war. Die Einzelzüge waren beinhart und die
ganze Route kam einem vor wie eine zusammenhängende Schlüsselstelle.
Nach nur zwei Tagen fuhren wir weiter nach Orpierre, wo wir zwei Tage
kletterten. Dicha konnte den wunderschönen Klassiker “Ailes au
Desir”(6c+) klettern und ich machte eine schnelle Begehung von
“Game Over” (8a).
| St Leger |
Jetzt sind wir schon seit drei Tagen in
Ceüse und haben schon die ersten Knieprobleme von der Latscherei
vorzuweisen. Am ersten Tag versuchten wir uns ein wenig an die
Kletterei zu gewöhnen. Nachdem ich feststellen musste das die
leichten Touren hier wahnsinnig schwer sind (ich machte eine 6b+ die
woanders wohl eher 7a+ wäre), versuchte ich mich am 40 Meter
Klassiker “Encore” (8a+) in Sektor Demi Lune. Die Route ist sehr
kleingriffig, ausdauernd und nicht so wirklich mein Style. Die ersten
20 Meter sind 6a Platte und dann hat man nur einen Henkel bis ganz
hoch. Dicha probierte gestern “Pourquoi pas” (7a+) und konnte
auch fast alle Züge auf Anhieb machen. Ich hoffe das Wetter bleibt
so genial wie es jetzt grad ist, wir haben leider nur noch 2 Wochen
bis ich zurück nach Deutschland fahren muss. Wünscht uns Glück und
bis Bald!
| Lecker Bier nach dem vielen Gelatsche |
| Trägst du mich morgen hoch bitte? |

